Phase 2 - Tag 13. Morgenseiten und deine Struktur in der Krise bekommen



Tag 13_Phase 2: Morgenseiten und deine Struktur in der Krise bekommen

Das Schreiben von Morgenseiten (im engl. Original Morning Pages), wie sie Julia Cameron in ihrem Bestseller „Der Weg des Künstlers“ als Übung anleitet, ist eine tägliche Schreibgewohnheit, die als eine Form der Schreibmeditation bzw. des intuitiven Schreibens, möglichst als erstes in der Früh verstanden werden kann.

Dabei werden morgens nach dem Aufstehen drei DIN-A4-Seiten handschriftlich geschrieben, ganz intuitiv, ohne sich vorher Gedanken über Thema und Stil zu machen. Es geht darum, den eigenen Bewusstseins- und Gedankenstrom aufs Papier zu bringen.


Julia Cameron hat die Morning Pages als Weg beschrieben, um die eigene Kreativität freizusetzen. Auf den ersten Blick scheint die Methode nichts mit Kreativität zu tun zu haben. Doch indem du deinen Geist von störenden und negativen Gedanken befreist, deine eigenen Gedanken und Emotionen schreibend näher kennenlernst, Blockaden löst, Zugang zu Erinnerungen gewinnst und neue Perspektiven entwickelst, bist du besser oder überhaupt in der Lage, deine wirkliche Kreativität auszudrücken.

Diese Auseinandersetzung mit deiner Innenwelt ist Grundvoraussetzung für Kreativität.

Was jedoch auch passiert – und das können wir jetzt als Krisenbewältigung sehr gut brauchen – ist, für uns innere Ordnungen und dadurch auch gute äußere Tagesstrukturen zu finden, die wir entweder alleine oder mit Familie in der Quarantäne brauchen und die uns gut durch den Tag tragen. So können wir Stress und Belastungen, die ohnehin schon auf vielen verschiedenen Ebenen da sind, verringern und gut in den Griff bekommen.

Die Morgenseiten sind auch ein Date mit dem eigenen Schatten. Du lässt deine Ängste und Sorgen auf das Papier kommen und lädst sie “zum Kaffee” ein.

Auf diese Weise können sie dich nicht im Laufe des Tages überraschen und du kannst dich auf das konzentrieren, was in dem Moment gerade wichtig ist.

Wenn dein Unbewusstes weiß, dass es dich nicht an deine Sorgen, deine neuen Ideen und deine Pläne erinnern muss, weil du dafür einen Ort und eine Zeit hast und diese Gedanken festhältst und damit wertschätzt, kannst du mit leerem und wachem Kopf an deine Aufgaben und in tägliche Begegnungen gehen. So wirst du produktiver und kreativer.

Morgenseiten fördern dabei nicht negatives Denken, sondern machen einfach sichtbar, was da ist. Indem du jeden Tag deinen Gedankenstrom Aufmerksamkeit schenkst, wirst du immer geübter darin, deine eigene Innenwelt wahrzunehmen. Diese geschärfte Achtsamkeit lässt du nicht zurück, wenn du die Morgenseiten beendet hast, sondern nimmst sie mit in deinen Alltag.

Viele Morgenseitenschreiber berichten davon, dass ihre Ängstlichkeit und ihr Gedankenkreisen nachgelassen haben. Indem sie ihre kritischen oder destruktiven Anteile auf dem Papier zu Wort kommen lassen, fühlen sich diese gehört und können tagsüber Ruhe geben. Häufig verändert das Schreiben die eigene Perspektive und neue Lösungen entstehen. Für viele Schreiber gehören die Morgenseiten nach einer Weile ähnlich wie das Zähneputzen zur körperlichen Hygiene als Bestandteil zu ihrer mentalen Hygiene dazu.

Übung:

„Schreiben ist wie Magie – nutze diese Zauberkraft!“


Die Morgenseiten sollten das erste sein, das du nach dem Aufwachen machst. Am besten du legst dir Stift und Papier direkt auf den Nachttisch oder du bereitest ein Notizbuch an deinem Frühstückstisch vor.

Als Regel gilt: Nehme dir 30 Minuten Schreibzeit. Stell deinen Wecker etwas früher als gewohnt, wenn du die Morgenseiten ausprobieren möchtest, damit du ungestörte Zeit für dich hast. Du solltest dabei alleine sein.

Wichtig ist auch die Morgenseiten handschriftlich zu verfassen. Das Schreiben wird langsamer sein, als wenn du in deinen Computer tippst, aber genau das ist gewollt. Die Verlangsamung fördert Achtsamkeit, dir und deiner eigenen Innenwelt gegenüber.

Morgenseiten können nicht richtig oder falsch geschrieben werden. Es gibt keine Regeln, wie und was du schreiben darfst. Wenn dir mal am Beginn nichts einfällt, schreibe einfach: mir fällt nichts ein, mir fällt nichts ein...solange bis das Schreiben in Fluss kommt....

  • Du darfst jammern, schreien, alle Regeln der Rechtschreibung über Bord werfen.

  • Du darfst dich über ein einziges so banales Thema auslassen oder ganz viele anreißen.

  • Du darfst Alltägliches wie die Sorge um den wöchentlichen Einkauf genauso thematisieren wie die Angst vor dem Verlust des Partners oder die eigene Sinnsuche.

Das einzige, was bei dieser Methode eingehalten werden muss: Nach drei Seiten beendet man die Morgenseiten und legt Stift und Papier zur Seite.

Morning Pages sind als Begleitung durch alle Lebensphasen einzusetzen. Sie können also gerade auch in Krisenzeiten helfen. Allerdings sollten sie keine medizinische oder psychotherapeutische Begleitung ersetzen. Belasten dich deine Probleme so, dass sie deinen Alltag beeinträchtigen zögere nicht, dir professionelle Unterstützung zu suchen und die Situation zu klären. Vor allem in der Krise zeugt es von Selbstverantwortung, wenn wir professionelle Hilfe annehmen können.

Nach den Morgenseiten und deinem individuellen Morgenritual, ist es gut dir eine ToDo Liste für den Tag aufzusetzen.


Dabei beachte bitte 4 Regeln:


1. Mache Dir einen Wochenplan als Übersicht

2. Schreibe jeden Vorabend oder am Morgen nach den Morgenseiten die Übersicht deiner ToDo Liste für den Tag handschriftlich auf ein DinA4Blatt

3. Setze Prioritäten, was du unbedingt und was du optional machen willst/musst.

Du kannst die „Eat the frog first in the morning“ Regel anwenden, die besagt, dass du das, was du unbedingt machen musst und du am wenigsten machen magst als erstes (nach den Morgenseiten und dem Frühstück) von dir erledigt wird und danach der Tag immer leichter wird.

4. Plane dir auch immer wieder Auszeiten und Ruhephasen, um aufzutanken und deine Batterien aufzuladen. Trage sie dir unbedingt als festen Termin in den Kalender ein. Nur wenn Du auf Dich achtest, kannst du gut für Dich und andere die Herausforderungen in der Krise gut bewältigen.

Eine gute Grund-Tagesstruktur hilft dir die Quarantäne besser zu bewältigen. Auch wenn du nicht im Home-Office oder die Familienbetreuung zuhause machst und rausgehen musst, ist vor allem in Krisenzeiten eine gut organisierte Tagesstruktur sehr hilfreich zur Bewältigung der Herausforderungen.

Blinder Aktionismus und einfach drauflos arbeiten ist meistens nicht die beste Lösung.Alles bis ins allerkleinste Detail durchzuplanen allerdings auch nicht. Gerade in Krisenzeiten passiert immer wieder etwas Unvorhergesehenes, auf das wir reagieren müssen. Sei nicht zu streng zu Dir, wenn du Dein Pensum nicht erfüllst. In Krisenzeiten braucht alles länger und auch Du bist langsamer.