Phase 2_Schritt 14: Mit Emotionen umgehen und einen kreativen Ausdruck finden



Tag 14_Phase 2:

Mit Emotionen umgehen und einen kreativen Ausdruck finden

Diese aufbrechenden Emotionen in der 2. Phase der Krisenbewältigung sind sehr wichtig und müssen ernstgenommen werden und auch ihren konstruktiven Ausdruck finden.


Am besten hälst du dich in dieser Phase mit der beschwichtigenden Sicht der Dinge zurück und konzentrierst dich darauf, ein gute ZuhörerIn für dich selbst und andere zu sein.





„Das Emotions-Chaos ist ein Bild für das Chaos ganz allgemein, in dem Altes verschwindet und Neues sich bilden kann.“

Verena Kast

Wozu dient das?


In dieser Phase baut sich die Gefühlstaubheit nach und nach ab. Emotionen bahnen sich nun ihren Weg an die Oberfläche und je nach Persönlichkeitstyp können starke Gefühle von Schmerz, Wut, Traurigkeit, Verzweiflung und Angst auftreten.

Die Betroffenen beginnen sich zu fragen, warum es gerade sie treffen musste. Ein Gefühl der Ungerechtigkeit macht sich breit.

Oft kommt es sogar zu einer ohnmächtigen Wut auf die Krisensituation: „Wie konnte das nur passieren?“ Aber auch Schuldgefühle können auftauchen und den Kriselnden in seiner Fantasie Szenarien entwickeln lassen, in denen sie/er die Krise hätte verhindern konnte.

Die Emotionen sind in dieser Phase je nach Charaktertyp unterschiedlich stark ausgeprägt und nehmen verschiedene Qualitäten an.

Eins ist jedoch wichtig: Die Gefühle sollten in keinem Fall unterdrückt werden, da dies die Krisenbewältigung negativ beeinflussen könnte.

Unser Organismus geht durch einen Prozess, der sehr ressourcenintensiv ist.


All das aber mit dem Ziel, wieder zu einem Zustand der Normalität zurückzufinden.

Deswegen ist es besonders wichtig, die Trauer zuzulassen und auch die unangenehmen Gefühle zu spüren.

Je mehr wir unseren Emotionen Platz geben können, umso schneller können wir durch diese Phase durchgehen und neuen Gefühlen des Vertrauens und der Bewältigung können Raum in dir einnehmen.


Wie kann man anderen in dieser Krisenphase helfen?


Auch in dieser zweiten Krisenphase hilfst du deinen Nächsten am meisten, wenn du für sie da bist und versuchst sie da zu unterstützen, wo es geht.

Weder gut gemeinte Ratschläge noch Ablenkungsversuche sind jetzt besonders hilfreich.

Am meisten unterstützt du sie dann, wenn du die Gefühle mit dem Betroffenen teilst. Der Unterstützende sollte bereit sein, auch einen Teil der unangenehmen Gefühle selbst zu spüren, da dies unweigerlich passiert, sobald man sich dazu entscheidet, für den „Kriselnden“ Raum zu machen.


Sei Dir bewusst, dass dies keine leichte Aufgabe ist. Es erfordert, dass wir uns zu Gunsten der Anderen selbst ein Stück weit zurücknehmen.


Vor allem Gefühle wie Wut und Zorn werden eher abgewehrt und andere Menschen fordern Vernunft ein. Dabei gilt die Regel, dass sie rascher wieder gefasster bist, wenn sie ihre Gefühle wirklich ausdrücken durften, vielleicht dazu ermuntert worden sind. Dabei sind gerade die Gefühle des Zorns wichtig, damit schwer Betroffene nicht in der Depression versinken.


Wie bereits beschrieben, sind wir auch mit Schlafstörungen und Appetitlosigkeit, zu erhöhten Suchtproblematiken und einer erhöhten Anfälligkeit für Infekte. Das Gefühl von der Welt und anderen Menschen getrennt zu sein, aber auch das Gefühl alte Gewohnheiten und Sicherheiten zu verlieren, sind vorherrschend.


Es gibt 5 Ebenen der inneren Erfahrung:


1. Gedanken und Bilder/Phantasien 2. Sinneswahrnehmungen 3. Körperempfindungen 4. Gefühle 5. Bewusstseinszustände


Gefühle sind ungreifbar und können verwirrend sein. Auch in der Wissenschaft wird die Vielschichtigkeit von Gefühlen sichtbar. Beispielsweise können Gehirnforscher zwar Aktivitäten in den Angstzentren messen. Der Proband nimmt subjektiv jedoch Wut wahr. Gefühle sind also immer subjektive Wahrnehmungen. Hier eine Auswahl von Basisgefühlen:

1. Angst/Panik

2. Ärger/Wut/Hass

3. Trauer,

4. Freude, Mitgefühl

5. Scham

6. Eifersucht/Neid

7. Liebe, Dankbarkeit

8. Sonstige gemischte Gefühle


Übung: Mit Gefühlen und Bildern arbeiten:


Deine Gefühle aus dir herausfließen zu lassen, ihnen am Papier Platz zu geben ist ein sehr heilsames Mittel auf diesem Wege auf Distanz zu seinen eigenen Gefühlen zu kommen. Die Gefühle nehmen da am Papier Platz und du kannst weiterhin spüren, was dich innerlich bewegt, woher sie kommen und dass sie auch wieder gehen. Das Externalisieren, Herausbringen aus Dir von inneren Gefühlen und den dazugehörenden Farben, Formen und Bildern ist eine große Erleichterung für dein gesamtes System.

Der Mal-und Gestaltungsprozess bringt auch die große Ressource in dir, der Kreativität ins Fließen und damit findet eine Aktivierung dieser Kraft in dir statt, die dich damit zur Gestalterin und nicht mehr zum Opfer macht. Diese Selbstwirksamkeit regt dein eigenes Immunsystem auf allen Ebenen an. So wirken deine Emotionen nicht mehr gegen dich sondern für dich. Sie bewirken einen Erkenntnisprozess und eine Distanzierung zu deinen störenden Gefühlen und während des kreativen Prozesses werden dir auch Erleichterungen und Lösungen deutlich.

Unser Unbewusstes denkt in Bildern. Auch Farben haben einen psychologischen Effekt auf uns. Sie können uns beleben oder entspannen, uns beruhigen und für mehr Klarheit und Konzentration sorgen.

Deshalb lade ich Dich hiermit ein:


1. Gestalte auf einem Blatt Papier einen Kreis

2. Setze die Umrisse einer Gestalt in die Mitte, die dich symbolisieren

3. Unterteile den Kreis in 8 Segmente

4. Benenne außerhalb des Kreises jedes Segment mit einem der 8 Grundgefühle

5. Gestalte die Segmente, so wie du dich zurzeit fühlst und ordne jedem Gefühl eine Farbe zu

6. Berühre jedes Feld anschließend mit deiner Handfläche und sage ein deutliches lautes Ja zu diesem Gefühl

Wenn du bemerkst, dass eines der Gefühle, dich weiterhin sehr belastet, kannst du damit ein eigenes Bild gestalten. So entstehen sogenannte „Wut“-, „Angst“-, Scham- oder je nachdem welches Gefühl am vorrangigsten bei dir ist.

Anschließend schreibe darüber in dein Tagebuch.


„Die Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder,

sondern macht sichtbar.“

Paul Klee