Phase 3_ Tag 15: Die 3. Phase - Das Alte und das Neue bewältigen



Tag 15_Phase 3:

Die 3.Phase der Krisenbewältigung ist die des Suchens, Findens, und Sich Trennens – das Alte und das Neue

Überblick: In dieser 3. Phase der Krisenbewältigung wird die „Funktion“ des Verlorenen definiert und versucht, diesen Verlust durch etwas anderes zu ersetzen. Wir sind sehr damit beschäftigt, wie das Leben vor der Krise war, was sich jetzt verändert hat und wie wir darauf reagieren.

Diese Phase wird auch die Bearbeitungsphase genannt. Wir beginnen uns von alten Bedürfnissen oder Gewohnheiten zu lösen. Je nachdem was wir verloren haben: Menschen, die Arbeit, Geld, Beziehungen......wir machen eine Bestandsaufnahme.


Wir definieren, was verlorengegangen ist und was noch für die Zukunft hält. Wir beginnen diese Verluste für uns mit Neuem zu ersetzen. Man könnte diese Zeit auch als Einsichtsphase beschreiben, in der wir dem Geschehen einen Sinn geben können (Aha Phase). Dabei kann es sein, dass wir bei Erinnerungen an den Verlust nicht nur die hinterlassene Lücke wahrnehmen, sondern auch neue Aspekte als Bereicherung erfahren können. Wir beginnen den Verlust zu akzeptieren und gewinnen die Eigenverantwortung für unser Leben zurück. Sowohl Gefühle wie Freude, wie auch Erleichterung werden wieder bewusst empfunden.


In dieser Phase setzen wir als erstes auf die Kraft und Kompetenz, die wir bereits in unzähligen Erfahrungen und deren Bewältigung angesammelt haben.

Zur Einstimmung auf diese 3. Phase inspiriert uns ein kurzer Text von der wunderbaren

Clarissa Pinkola Estès aus „Der Tanz der Großen Mutter“:

"Hör mir zu, Liebes:

Unterschätze nie die Standhaftigkeit der weisen alten Frau.

Auch wenn sie gequält oder ungerecht behandelt wird, trägt sie in sich ein anderes Selbst, ein ursprüngliches, strahlendes und unzerstörbares Selbst jenseits des gepeinigten Ich - ein erleuchtetes Selbst, das immer ganz ist. Unter ihrem Mantel verbirgt sich gewiss ein Flügelpaar mit einer Spannweite von sechs Metern und in ihrer tiefen Tasche ein zusammengefalteter Wald.

Bestimmt findet man unter ihrem Bett siebenfach mit Goldlamé beschichtete Slipper. Und durch ihre Brille kann und wird sie fast alles sehen. Der kleine Teppich vor ihrem Kamin könnte tatsächlich ein fliegender Teppich sein. Ihr ausgebreitetes Umhängetuch besitzt wahrscheinlich Kraft genug, um die Wölfe herbeizurufen oder die sternklarste Nacht kommen zu lassen.

Während sie in der Schale ihres gebrochenen Herzens durch den Himmel gleitet, bricht sie in gackerndes Lachen aus. Ihre Federn heben sich, denn sie ist Liebe, die immer lernt. Sie sinkt auf alles herab, was atmet und singt. Sie strebt danach, die Seele vor jeder Gefahr zu schützen.

Singvögel offenbaren ihr geheime Nachrichten; daher hat sie das magische Auge, das hinter die Gegenwart blickt. Wie ihr menschliches Ebenbild lebt sie sicherlich in der Nähe eines verehrten Flusses ... oder sie selbst ist schlicht und ergreifend EINS ..."

Krisenkompetenz:

Die Voraussetzung, eine Krise in den Griff zu bekommen, sind, nach Verena Kast (1989), der extreme Leidensdruck oder die nötige Motivation, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Auch ein starker Wille und vor allem Geduld und Durchhaltevermögen sind hilfreiche Qualitäten eine Krise gut durchzustehen und an ihr zu wachsen.

Oft kommt man während des Prozesses der Krisenbewältigung zu Tiefpunkten, in denen man verzweifelt ist und glaubt, sich im Kreis zu drehen, nicht vorwärts zu kommen und genau dann muss man den Mut und die Disziplin aufbringen, weiter zu machen und nicht auf zu geben. Dieses „Nicht aufgeben, bevor man nicht am Ziel ist“ ist oft ausschlaggebend.


Eigene Kompetenzen erkennen:


Besonders wichtig ist, dass wir lernen, die Ungewissheit und Frustration zu ertragen. Der Mut zur Ungewissheit und damit zur Angst ist ein Mut zum Risiko, aber auch der Mut zur Freiheit. Dieses Risiko können wir eingehen, wenn wir es uns zugestehen, auch immer wieder einmal zu scheitern. Die Hilflosigkeit, die eigentlich die Angst auslöst, lässt uns auch Kompetenzen suchen. Wir alle kennen das Schlagwort vom lebenslangen Lernen.


Aus dieser Sicht wir bringen alle auch schon sehr viele Kompetenzen mit, die wir im Laufe unseres Lebens erworben haben, auch für den Umgang mit schwierigen Lebenssituationen. Jeder Mensch hat schon unzählige sehr schwierige Situation in seinem Leben bestanden und schwierige Probleme gelöst. Diese Form der Kompetenz vergessen wir aber leicht, oder achten wir zu gering. Wir brauchen dann jeweils dringend einen Menschen, der sie uns wieder ins Gedächtnis zurückholt und die notwendige Wertschätzung einbringt. Es ist eine lohnenswerte und für die jetzige Situation hilfreiche Aufgabe für jeden Menschen, seine gesammelten Kompetenzen wahrzunehmen.


Übung:

Dazu schreibe die 3 schwierigsten Situation in deinem bisherigen Leben auf und erinnere dich,

- mit welchen inneren eigenen und

- welchen äußeren Ressourcen und Kraftpotentialen

du diese bewältigt hast.

Finde daraus ein Kraftsymbol, das du in Form einer Kraftkarte, max. Din A 5, zeichnerisch gestaltest mit einem Wort oder einen Satz, das/der dich trägt. Diese Karte kannst du dann bei dir behalten oder an einem prominenten Platz in deiner Umgebung anbringen, und die dich immer wieder daran erinnert, dass und wie du gut durch diese Krise kommst.