Phase 3_Tag 17: Der Schatten und die Krise



Tag 17_Phase 3: Der Schatten und die Krise


In der 3. Phase, die auch Bearbeitungsphase genannt wird, erleben wir tendenziell das, was wir bisher in unserem gewohnten Leben nicht gelebt haben stärker, oder das, was wir schon lange wieder vergessen haben. Wir haben schon lange nicht mehr gekocht, geputzt, Puzzle oder Schach gespielt. Noch länger nicht auf unsere Nachbarn geschaut und Freunde kontaktiert. Krisen bringen durch ihre speziellen Bedingungen in uns das Neue, das Ungelebte den Schatten hervor. Jedoch auch die destruktive Seite des Schattens kommt deutlicher hervor.





Was ist der Schatten?

Laut der Tiefenpsycholgie von C.G. Jung ist der Schatten ein Teilbereich der Psyche eines individuellen Menschen und umfasst un- , oder teilbewusste Persönlichkeitsanteile, die häufig verdrängt oder verleugnet werden, weil sie dem Vorstellungsbild des Ichbewusstseins von sich selbst entgegenstehen.

Der Schatten eines Menschen enthält nach Jung, was dem positiven Selbstbild und seiner 'Theatermaske' (Persona) entgegensteht.

„Der Schatten ist alles das, was du auch bist, aber auf keinen Fall sein willst.“

C.G.Jung


Der Schatten ist nicht nur unsere dunkle, verborgene Seite, die tief in uns schlummert, immer wieder an die Oberfläche drängt und dann mit der Persona in Konflikt gerät, sondern auch das, was bisher ungelebt geblieben ist. Die Anteile unserer Persönlichkeit, die wir nicht sehen wollen, weil sie uns nicht gefallen, weil sie bei anderen auf Ablehnung stoßen, weil sie gefährlich sein könnten oder auch weil sie so ungewohnt sind.

Der Schatten kann zum Beispiel äußerst selbstsüchtig, gefühllos, neidisch oder dominant sein. Die meisten Menschen wissen jedoch nicht, dass sie so ichbezogen und egoistisch sind, wie sie sind. Sie möchten selbstlos erscheinen und nach außen so wirken, als ob sie ihre Begierden und Leidenschaften gut im Zaum halten könnten. Sie neigen dazu, ihre negativen Züge vor anderen und sich selbst hinter einer Fassade zu verstecken, die sie als rücksichtsvolle, mitfühlende, nachdenkliche und geniale Zeitgenossen dastehen lässt. Deshalb können wir den Schatten auch so schwer kontrollieren.

Die Krise als Land ist ein Schattenland. Die Krise bringt in uns und kollektiv den Schatten hervor. Der Schatten gleicht aus. Individuell – in uns, indem wir ganzheitlicher denken müssen, um gut durch die Krise zu kommen, Ängste und Blockaden heilen können, weil wir sie viel deutlicher wahrnehmen. Und kollektiv, indem wir neue Werte des Miteinander finden müssen, um wieder in Entspannung und Frieden auf einer neuen Ebene gemeinsam gut leben zu können.


Was hättest du ohne Krise nie getan? Was sind deine neuen Erfahrungen mit Dir und anderen in der Krise? Welche Anteile von dir werden sichtbarer, die du bisher versteckt hast?...Schreibe in dein Tagebuch.


Wie bei allem gibt es eine konstruktiven Rahmen, innerhalb dessen wir uns mit unseren Schattenanteilen auseinandersetzen können. Die Gesellschaft gibt jedoch auch kollektive Regeln vor, wo die Grenzen von Destruktivität und einer konstruktiven Auseinandersetzung ist. Alles was gesellschaftlich nicht erlaubt ist, die Gesetze, die das regeln, sind der Schutz vor dem Schatten. Gewalt, Missbrauch, Selbstdestruktion in jeder Form, psychische Erkrankungen, uva. mehr, die keine Kontrolle des Schattens möglich machen, sind durch diese Regeln geschützt.

Wir beziehen uns hier auf die Selbsterfahrung mit psychisch gesunden Menschen, die sich an ihren Kraftpotentialen und bisherigen Erfahrungen orientieren möchten, um besser durch die Krise zu kommen.


Alle anderen Fälle, die weniger stabil in einer Krise sein können, ermutigen wir sich individuelle Hilfe zu holen. Wir können hier keine Verantwortung für individuelle Unterstützung tragen. Auch ist es ein gutes Zeichen an Selbstverantwortung, wenn wir uns in Krisenzeiten unterstützen lassen können.

Dafür haben wir einige unserer erfahrensten MitarbeiterInnen für Euch aufgelistet:

Graz:

- Bettina Yvonne Krautberger: 06646474253

- Evelyn Vrecer 06644711665

Wien:

- Karin Dreier: 06506165708

- Barbara Aschenbrenner: 069911722941

- Eva Kindl, 06505629544

- Karin Schön: 069910115021

Innsbruck:

- Gundula Leinfellner: 069912235653

Schattenarbeit – Umgang mit dem Schatten

In der Jung’schen Psychologie werden fünf Formen des Umgangs mit dem Schatten angegeben, wie sie auch archetypisch in Märchen und Mythen vorgezeichnet sind:

  1. Kampf (z.B. der Prinz muss gegen den Drachen vor der Höhle kämpfen, um zum Schatz zu gelangen)

  2. List (z.B. im Märchen vom Flaschengeist wird der Geist überlistet und dadurch besiegt)

  3. Tarnkappe (z.B. in manchen Zeiten ist es besser für uns, wenn wir uns nicht mit Nachrichten oder Situationen konfrontieren, die für uns schwierig sind – wir machen uns für den Schatten sozusagen für eine Zeit unsichtbar)

  4. Wahrnehmen und nichts damit machen (z.B. einen inneren Anteil des Schattens erkennen, aber weder kommunizieren damit, noch versuchen, etwas zu verändern - ANNEHMEN)

  1. Lieben (z.B. im Märchen des Froschkönig, den Frosch küssen, damit er sich wandeln kann)

Wenn man zu den Eigenschaften im Schattenbereich sagen kann: „Ja, das bin ich auch“,

dann hat man endlich die Freiheit das Leben zu führen, dass man sich immer gewünscht haben. Denn die Energie, die bisher zum Verdrängen nötig war, steht nun zur Verfügung.

Dieses Ungeahnte und Ungelebte in einem selbst wahrzunehmen und zu akzeptieren hält neue, kreative Chancen der Persönlichkeit bereit: Der Schatten wird zur subversiven Lebenskraft. Entscheidend ist dabei, der inneren Stimme Gehör zu verschaffen und für das, was der Schatten birgt, Verantwortung zu übernehmen.


Übung:

Gestalte einen inneren Schattenateil in dir, der dir jetzt in der Krise besonders auffällt. Du hast freie Materialwahl. Zündhölzer, Draht, Watte, was auch immer du zuhause hast, kannst du zu einer kleinen Figur zusammenbinden. Gibt deiner Schattenfigur einen Namen und frage sie in einem zumindest 3-zeiligen Dialog, was sie von dir möchte und was du in dein Leben jetzt integrieren kannst. Schreibe dazu in dein Tagebuch.