Phase 3_Tag 21: Ressourcen finden, Imaginationen nutzen



Tag 21_Phase 3: Ressourcen finden, Imaginationen nutzen

Je instabiler die Lage ist umso wichtiger ist es Zeit für sich selbst zu haben, in der wir uns nähren und alle inneren und äußeren Ressourcen aktivieren, die wir verfügbar haben. Wir können die Weise Alte/den weisen Alten in uns fragen: „Was nährt mich jetzt?“.

Insgesamt können das Ressourcen sein, die man schon immer hatte oder solche, die sich neu auftun.



„Noch ist Raum für ein Gedicht,

ein Gedicht ist ein Raum, in dem man atmen kann“

Rose Ausländer

Das Bewältigen der Krise erfolgt nach der Dynamik, nach der grundsätzlich jede große Veränderung erfolgt: nach anfänglichem Nicht-Wahrhaben-Wollen des Problems folgt die Phase der chaotischen Emotionen. Im besten Fall kommt es hier zur Dankbarkeit für das, was war und für das was immer noch ist. Wir nehmen eventuell Dinge, die wir früher kaum wahrgenommen haben, jetzt viel bewusster wahr, etwa die Natur, das Wachsen, Schönheit, die Intensität einer Begegnung. Das bedeutet zwar nicht, dass die Ängste nicht mehr da sind. Doch man kann mit ihnen besser umgehen und das Leben wird nicht mehr nur als Krise wahrgenommen. Es bleiben große emotionale Schwankungen. Zudem werden die ganz normalen Probleme des Alltags als größer und gewichtiger erlebt, wenn man sich am Rande der Belastbarkeit befindet.


Im Umgang mit der Krise werden auch Ressourcen deutlich und man kann sie auch gezielt aufbauen und aktivieren. Dass gelingt besonders gut durch die Imagination, durch unsere Vorstellungskraft, durch die wir zu Bildern und Erfahrungen kommen, die uns trösten und uns hilfreiche Inputs geben können.

Die Fähigkeit zur Imagination ist eine normale menschliche Fähigkeit, die allerdings geschult werden kann.

Das geschieht, indem man die verschiedenen Kanäle der Wahrnehmung schult und übt.

Eine Zitrone, zum Beispiel kann man leicht in der Vorstellung sehen, man kann sie auch riechen und wenn man imaginativ hineinbeißt, kann man sie auch schmecken.


Und etwas Ähnliches lässt sich auch mit Nicht-Materiellem machen. In imaginativen Prozessen kann man Beziehungsverhalten, Konflikte, Bedürfnisse, Eigenheiten, Wünsche, Emotionen hervorrufen und deren Abwehr erkunden. Man kann Szenarien einer guten Zukunft entwerfen und positive Selbstbilder kreieren. Das ist mehr als ein Probehandeln, denn es sind Entwürfe der eigenen Existenz, mit denen man sich wiederum auseinandersetzen kann.


Was besonders wichtig dabei ist, ist dass sich dabei unsere Emotionen zeigen. Sie können anhand der Vorstellung auch bearbeitet werden.

Wir hätten keine Angst vor einem Hund, wenn wir uns nicht vorstellen würden, dass der Hund zubeißen könnte. Wir können uns aber den uns ängstigenden Hund auch mit Maulkorb vorstellen, dann ängstigt er uns in der Vorstellung weniger. Wenn wir weniger Angst haben können wir das meistens recht gut auf das Alltagsleben übertragen.

Der Raum der Imagination ist ein geheimnisvoller Raum zwischen Außenwelt und Innenwelt, erfüllt von Assoziationen an Erlebten. Erinnerung spielt dabei eine wichtige Rolle, aber diese kann auch verändert werden und Phantasien im Sinne von neuen Kombinationen sind möglich. In der Imagination können wir Räume erschließen, in denen uns wohl ist, Räume, in denen wir unsere Identität stabilisieren können. Wir können uns Herausforderungen vorstellen und uns mit ihnen auseinandersetzen und man kann diesen Raum der Imagination auch miteinander teilen. Der Vorstellungsraum ist ein Raum, den man mit einem anderen Menschen teilen kann und das bewusste Teilen von Imaginationen verstärkt die soziale und emotionale Nähe.

Im Unterschied zur Alltagswahrnehmung hat die Imagination mehr Freiheitsgrade: Zeit, Raum, Verantwortlichkeit sind freigegeben. Es sind vor allem Erfahrungen, die man in den Raum des Alltags übertragen kann. Die Tatsache, dass wir selbst etwas bewirken können und einer Situation nicht nur ausgeliefert sind ist sehr hilfreich. Durch die Freiheit in der Imagination kann auch sichtbar werden, was wir wirklich wollen.

Jedenfalls ist die Erfahrung, die wir am Beginn der ersten Phase mit dem „sicheren Ort“ gemacht haben, sinnvoll immer wieder da imaginativ zurückkehren zu können – ein guter Ort in der Vorstellung zu sicheren, an dem wir uns einfach rundum wohlfühlen.

Bei vielen Menschen entwickeln sich aus diesen guten „Orten“ heraus weiterführende Imaginationen, ganze vorgestellte Geschichten.

„Ich könnte nicht leben, wenn ich nicht glaubte,

dass die Phantasie neuen Welten zu schaffen vermag“.

Gioconda Belli

In diesen schwierigen Zeiten könnte es heilsam sein, sich an einen Helden aus Kindertagen zu erinnern, den ich besonders mag: Frederick, der Mäuserich, der Sonnenstrahlen sammelte und Farben und in harten, kalten Zeiten die anderen Mäuse damit erfreute. Dieses Buch hält sich seit über 50 Jahren und erfreut nicht nur die Herzen von Kindern, sondern auch die der vorlesenden Eltern.

Auch das Bild, dass wir die Härten, Probleme des Lebens „in die Hände einer höheren Macht legen“ kann als erleichternd erlebt werden.

Übung:

Du kannst diese Übung, wenn du geübt mit Imaginationen bist alleine für dich durchführen, oder sie dir von jemanden anderen vorlesen lassen.


Imagination: Die inneren Helfer


Die inneren Helfer sind Repräsentanzen guter innerer Objekte (Reddemann u. Sachsse, 1997). Bei Multiplen Persönlichkeiten, also Menschen mit einer Dissoziativen Identitätsstörung gibt es auch solche Inneren Helfer im System. Diese können sich jedoch recht unterschiedlich verhalten. Bei dieser Übung geht es um innere Helfer, die Trost und Halt vermitteln. Diese können Märchenfiguren sein oder auch der persönliche Schutzengel. Wichtig ist, es müssen gute Innere Helfer sein.

Entspannungsinduktion.-


"Ich möchte Sie jetzt bitten, dass Sie sich mit einem Teil in Ihnen in Verbindung setzen, den man innere Weisheit oder den inneren Arzt nennen kann, den Teil in Ihnen, der weise ist...Bitten Sie jetzt Ihre innere Weisheit, Sie in Kontakt zu bringen mit einem oder mehreren hilfreichen Wesen. Seien Sie offen für alle Wahrnehmungen, sei es, dass Sie etwas sehen oder die Präsenz der hilfreichen Wesen spüren oder sie hören. Nehmen Sie mit Ihren Sinnen wahr, was Ihnen Ihre innere Weisheit zeigen will..."Wenigstens eine Minute Zeit lassen, dann :"Möchten Sie mir etwas über Ihre Helfer erzählen ?...Welche Frage möchten Sie den Helfern jetzt vorlegen ?...Stellen Sie die Frage so genau wie möglich, bitten Sie um Hilfe für Ihr Problem, und seien Sie offen für jede Antwort, die Ihnen gegeben wird, bewerten Sie nicht..." Genügend Zeit geben. "Bedanken Sie sich bei den Helfern für deren Hilfe, und bedanken Sie sich bei Ihrer inneren Weisheit, und kommen Sie dann bitte wieder zurück an diesen Ort mit Ihrer ganzen Aufmerksamkeit."


Manchmal sind die Antworten der Helfer direkt, manchmal gibt es verschlüsselte, symbolische Antworten, wo wir gegebenenfalls Übersetzungshilfe leisten müssen wie beim Traum. Manchmal sind die Antworten nicht ganz verständlich, und es ist notwendig, Geduld zu haben. (Reddemann u. Sachsse, 1997)