Phase 4: Phase des Neuen Selbst- und Weltbezuges, Neuorientierung, Bewahrheitung_Tag 22



Phase 4: Phase des Neuen Selbst- und Weltbezuges, Neuorientierung, Bewahrheitung

Tag 22_Phase 4: Sinn und Lebensaufgabe

In der letzten Phase der Krisenbewältigung richten wir uns neu aus – zu uns selbst, aber auch zu unserer Umwelt. Durch neue Erfahrungen ist es sogar möglich, einen Sinn in der Krise zu sehen. Zumindest den Sinn , dass die Krise ein Übergang zur schöpferischen Lösung sein kann, dass Reifung kann sprunghaft über Krisen hinweg entstehen kann.


Auf den Lebenssinn, Lebensaufgabe möchte ich näher eingehen, da dies der rote Faden als Bezug für alle Erfahrungen sein kann. Wenn ich jede Erfahrung als Schritt auf meinem Weg, der Sinn macht erlebe, dann gibt dieser Sinn grundsätzlich schon die Kraft, Krisen zu meistern.


„Kleinstes mit Sinn ist immer lebenswerter als Größtes ohne Sinn.“

C.G. Jung


Auszüge aus Texten von C.G.Jung:


C.G. Jung geht davon aus, dass unsere Seele drauf angelegt ist, ihren Sinn zu suchen und zu verwirklichen, denn der Mensch sei auf Grund seiner Fähigkeit des reflektierenden Bewusstseins das einzige Wesen, dass „Sinn“ überhaupt feststellen kann.


Die größte Krankheit des Zeitgeistes sei für ihn darum die allgemeine Sinnlosigkeit. Die Auseinandersetzung mit dem Archetyp von Sinn und Sinnlosigkeit und der Schwierigkeit Sinnloses in Sinn zu verwandeln charakterisiert Jung´sches Denken (vgl. Neumann, Eranos JB. 1957)

Die analytische Psychologie ist als eine sinnstiftende Psychologie bezeichnet worden, die die Selbstwerdung, innere und spirituelle Erfahrung als sinngebend beschreibt. Sie geht davon aus, dass die Psyche „den Sinn ihres Seins“ benötigt und Sinnlosigkeit die Fülle des Lebens verhindert und krank macht, weil der Mensch ohne inneres, geistiges Leben bleibt.


„Die Psychoneurose ist im letzten Verstande ein Leiden der Seele,

die ihren Sinn nicht gefunden hat.


Jung ging davon aus, dass wir allgemeine Ideen und Überzeugungen brauchen, seil sie unserem Dasein Sinn zu geben vermögen und dass auch der Zweck der religiösen Symbole in ihrer sinngebenden Funktion liegt. Der Sinn ist darum ein zentraler Wert, weil Menschen unvorstellbare Nöte und Leiden auszuhalten vermögen, wenn sie von ihrem Sinn überzeugt sind.


Es muss einen Grund dafür geben, dass wir hier sind. Unsere Seele will in diesem Körper bestimmte Erfahrungen machen. Doch wir haben auch einen freien Willen und können uns entscheiden, ob wir diesem Seelenplan folgen oder lieber nach den Vorstellungen der anderen und den Erwartungen der Gesellschaft leben, weil das vermeintlich einfacher und sicherer ist. Der Preis, den wir dafür zahlen, ist jedoch hoch. Die Fragen die daraus entstehen sind: „Welchen Sinn hat mein Leben?“ „ Was ist meine Lebensaufgabe?“


Ob du deiner Lebensaufgabe folgst oder nicht, ist leicht zu erkennen. Wenn du deine Lebensaufgabe lebst, fühlst du dich erfüllt und spürst eine Begeisterung für die Dinge, mit denen du dich täglich beschäftigst. Natürlich ist auch eine Person, die ihre Lebensaufgabe lebt, nicht immer rundum glücklich und gut gelaunt. Auch in einem solchen Leben gibt es Herausforderungen, schlechte Tage und Gefühle wie Angst, Trauer oder Wut.


Mitunter sieht die Lebensaufgabe auch gerade große Herausforderungen und schwierige Zeiten vor. Nichtsdestotrotz fühlt sich ein Leben, in dem man seiner Bestimmung folgt, grundsätzlich sinnvoll, erfüllt und stimmig an.


Im Gegensatz dazu fühlen Menschen, die das nicht tun, innere Leere, Frustration und fehlenden Sinn im Leben. Das zeigt sich in Krisenzeiten umso mehr. Wir haben nicht die Motivation durch zu tauchen, sondern erleben alles viel intensiver, auch die innere Leere und das Unbehagen, wenn wir nicht das tun, was uns erfüllt.


Betäuben wir diese Gefühle mit Süchten und Ablenkungen, fängt die Seele meist an, über den Körper mit uns zu kommunizieren. Anhand körperlicher Beschwerden, Schmerzen, Krankheiten oder psychischer Krisen zeigt sie uns, dass etwas nicht stimmt und lädt uns ein, einen anderen Weg einzuschlagen.


Die Lebensaufgabe bezeichnen manche auch als Berufung, Bestimmung, Seelenplan oder Lebensmission.


Die Lebensaufgabe kann etwas sein, das die Seele erfahren möchte oder das sie umsetzen, realisieren, in die Welt bringen will.

Viele Menschen stellen sich die Lebensaufgabe als etwas sehr Großes oder Heroisches vor. Etwas, dass das Leben vieler Menschen und am besten die gesamte Welt verändert. Das muss sie aber gar nicht sein. Eine Lebensaufgabe kann mit dem Ego-Verstand betrachtet eher unscheinbar oder klein wirken, für die Seele aber eine große Bedeutung haben. Sie hat auch nicht zwangsläufig etwas mit dem Tun oder Machen zu tun, sondern es kann auch eine bestimmte Erfahrung sein, die unsere Seele in einem sterblichen Körper machen möchte.

Je stärker wir uns im Laufe unserer Kindheit von uns selbst und unseren Gefühlen abspalten, desto stärker wird dieses Wissen verschüttet. Wir können es uns nur durch innere Arbeit, vor allem mit unseren Gefühlen und dem inneren Kind, zurückerobern. Wer wieder einen gesunden Zugang zu seinen Gefühlen hat, kommt der eigenen Lebensaufgabe leicht auf die Schliche. Dazu müssen wir nur den Gefühlen der Stimmigkeit, der Freude und des Enthusiasmus folgen, also dem, was sich im Herzen gut anfühlt, ohne uns vom Verstand dazwischen reden zu lassen. Das ist jedoch oft einfacher gesagt als getan.


Angst und Mangel an Liebe, vor allem sich selbst gegenüber, verhindern die Schritte, die notwendig sind, um der Lebensaufgabe zu folgen.


Doch wie kann ein solche Lebensaufgabe aussehen? Die Lebensaufgabe kann beispielsweise sein:


  • Die Erfahrung zu machen, einen anderen Menschen bedingungslos zu lieben oder bedingungslos geliebt zu werden

  • Mitgefühl erfahren und aktiv leben, für andere da sein

  • Durch künstlerischen Ausdruck andere Menschen inspirieren und deren Leben verändern

  • Zu erfahren, was echte, tiefe Vergebung bedeutet oder was es bedeutet, wenn einem selbst vergeben wird

  • Trotz schwieriger Umstände lernen, Ja zum Leben zu sagen

  • Altes Karma auflösen

  • Die Macht der Selbstliebe erfahren

  • Die Entwicklung der Menschheit vorantreiben, das menschliche Bewusstsein auf ein neues Niveau heben

  • Anderen Menschen helfen, ein besseres Leben zu führen

  • Einen Weg finden, das eigene Leid und das Leid vieler anderer zu beenden

Die eigene Lebensaufgabe zu entdecken und zu leben ist niemals ein abgeschlossenes Projekt, sondern ein Prozess, der dich ein ganzes Leben begleitet.

Das bedeutet also: So lange du am Leben bist, hast du die besten Voraussetzungen, deine Lebensaufgabe zu erfüllen. Du hast in jedem Moment deines Lebens die Möglichkeit dazu, angstfreie Entscheidungen zu treffen und deinem Leben eine komplett neue Richtung zu geben.

Deine Lebensaufgabe lebst du, wenn du deinem inneren Ruf folgst und dich wieder mit deiner authentischen inneren Stimme, deiner Intuition, verbindest. Wenn du dem folgst, was dich magisch anzieht, erfüllt und glücklich macht, kannst du sie nicht verfehlen.


Übung:

Erinnere dich an die Übung von Tag 10 der 2. Phase: Welche Richtung hast du damals eingeschlagen? Was war der erste Schritt in Richtung deiner Lebensaufgabe?

Gestalte, male den 2. Schritt in Richtung deiner Lebensaufgabe. Auch wenn du noch nicht so genau weißt, was deine Lebensaufgabe ist, kannst du deine Intuition dazu nutzen, über den 2. Schritt genaueres über deine Lebensaufgabe zu erfahren. Lass dich auch von Bildern in Zeitschriften diesbezüglich inspirieren, die du in deine Gestaltung einfließen lassen kannst.

Nach der Gestaltung schreibe in dein Tagebuch deine Gedanken, Assoziationen und Entscheidungen, die du kreativ getroffen hast auf. Überlege auch, wie du diese in dein momentanes Leben umsetzt.