Phase 4_Tag 26: Spiritualität als Ressource in der Krise



Tag 26_Phase 4: Spiritualität als Ressource in der Krise


Carl Gustav Jung war stets bewusst, dass er sich nicht mit dieser bekannten, beschränkten Vision über das menschliche Wissen zufriedengeben wollte.


In seine Theorien flossen daher anthropologische Ansätze, Konzepte der Kunst, Spiritualität und Kultur ein, in denen sich aufschlussreiche Kenntnisse über das Unterbewusstsein verbargen.




  • Jung studierte das Christentum, den Hinduismus, Buddhismus, Gnostizismus, Taoismus und andere Religionen sehr genau, denn für ihn bestand die Wurzel des psychischen Lebens in der Spiritualität.

  • Um den menschlichen Verstand zu verstehen, studierte er unter anderem auch die Konsequenzen der Spiritualität, also ihre kulturellen Erzeugnisse.

  • Gleichzeitig verteidigte er die Theorie, dass jegliche spirituelle Erfahrung essenziell für unser Wohlbefinden sei, womit sich Sigmund Freud nicht einverstanden zeigte.

  • Im Jahr 1944 veröffentlichte Jung Psychologie und Alchemie, um zu demonstrieren, wie sich in vielen der häufigsten Träume Symbole verstecken, die von Alchemisten benutzt werden, so wie auch mythologische Bilder.

·Mit diesen Ideen verstärkte Jung den universellen Charakter seiner Theorie des Archetyps und verteidigte daneben den Wert der Spiritualität als Werkzeug, um die psychische Gesundheit des modernen Menschen zu verbessern.


Mit seiner Psychotherapie bezweckt Jung, in seinen Patienten einen Zustand der Fluidität zu erzeugen, in dem sie Verwandlung und Wachstum erfahren, ohne Fixierungen aufzubauen.

Gleichzeitig versucht er, in ihnen ein Gefühl für ihre Fähigkeit zur Bewusstheit über das persönliche Bewusstsein hinaus auszuweiten. Das ist besonders für den modernen Menschen wichtig, dessen rationale Einstellung die spirituelle Dimension des Lebens verdeckt und unterdrückt.

Jung betont, dass der spirituelle oder religiöse Bereich der Erfahrung nicht mit irgendwelchen Glaubensbekenntnissen zu tun habe, sondern eine grundlegende psychische Funktion von außerordentlicher Bedeutung sei.

Er stellt fest, dass es keine persönliche Heilung gebe, solange das Leben nicht eine religiöse Dimension gewonnen habe.“

Aus R. Moacanin, „Archetypische Symbole und tantrische Gemheimlehren“


Religion als Ressource für den Mensch Allgemein


Zur Ressource werden Religion und Spiritualität, wenn sie Hoffnung und Sinn vermitteln und wenn ein positives Gottesbild vorhanden ist.


Sie geben Menschen Copingstrategien an die Hand und tragen dazu bei, sich psychisch zu stabilisieren und sich mit existenziellen und spirituellen Fragen auseinanderzusetzen.

Religion und Spiritualität wird häufig eine gesundheitsförderliche Wirkung zugeschrieben.

Einige religiöse und spirituelle Interventionen haben durchaus nachweisbare Effekte. Sie wirken jedoch nicht immer und auch nicht allein, vor allem nicht bei ernsthaften psychischen Erkrankungen. Daher sollten sie lediglich als Ergänzung und Unterstützung einer Psychotherapie herangezogen werden.

Harold Koenig, Professor an der Duke University in Durham, North Carolina, leitet dort das „Center for the Study of Religion/Spirituality and Health“. Die Duke University ist eine angesehene Privatuni, die der Kirche nahesteht. Koenig sammelt Studien über Religion und Gesundheit und wertet sie in Metastudien aus. Dabei kommt regelmäßig heraus, dass der Glaube eine Art Wundermedizin ist.

Für die letzte Metastudie haben seine Mitarbeiter mehr als 1200 Artikel gesammelt, die in wissenschaftlichen Magazinen seit dem Jahr 1872 erschienen waren. Ob Gottesglaube gesund ist, fragen sich Wissenschaftler schon eine ganze Weile. Seit Mitte der 1990er-Jahre sei das Forschungsgebiet aber geradezu explodiert, schreibt Koenig.

In etwa 80 Prozent der Studien ging es um den Nutzen von Religion und Spiritualität für die Psyche. Koenig macht zwischen den Religionen und anderen Formen des Glaubens keinen Unterschied, es geht ihm nicht darum, ob der Katholizismus mehr bringt als das Schamanentum.


Gläubige überwinden Süchte und Angststörungen leichter


Wie gehen Menschen mit Missgeschicken um? Wie hoffnungsvoll oder optimistisch fühlen sie sich? Wie steht es um ihr Selbstwertgefühl? Gläubige schnitten in all diesen Fragen in der großen Mehrzahl der Studien besser ab. Auch bei schweren psychischen Krankheiten hilft es, auf höhere Mächte zu vertrauen, wenn man der Auswertung folgt. Der Glaube kann demnach Depressionen lindern – von 444 Studien, die Koenig zu dieser Frage fand, belegten das fast 70 Prozent – und gegen Angststörungen helfen.


Vor allem aber überwinden gläubige Menschen Suchterkrankungen aller Art besser. Mit einer höheren Macht kommen Menschen leichter vom Alkohol los. Koenig fand auch Vorteile für den Körper. Gläubige haben einen niedrigeren Blutdruck, ein besseres Immunsystem, gesündere Herzen.


Das Mandala als Intervention


Carl Gustav Jung, in seiner unendlichen Leidenschaft für dieses mit unseren früheren Kulturen in Zusammenhang stehenden Wissen, entdeckte er bald darauf die psychologischen Effekte von Mandalas, während er sich für die Erforschung der orientalischen Religion begeisterte.

Seiner Meinung nach sei ein Mandala eine heilige geometrische Zeichnung, die etwas in uns auslöse und gleichzeitig eine therapeutische Wirkung auf unser Inneres habe.

Jede kreisförmige Darstellung bedeute nicht nur eine kosmische Repräsentation, sondern sei auch eine konkrete Einladung, unserem Sein zuzuhören, unsere Harmonie wiederzufinden und ein Erwachen, ein Wachstum zu fördern.


Jung verwendet Mandalas, um seinen Patienten dabei zu helfen, ihrer inneren Stimme zu lauschen. Sein Ziel war es, das Ego abzuschalten, dem Lärm der obsessiven Gedanken zu entkommen, damit der Mensch neue Wege der Befreiung finden und eine neue Bewusstseinsebene erreichen konnte.


Das Mandala scheint nach C.G.Jung hauptsächlich vier Funktionen zu erfüllen:

· in von Angst gekennzeichneten Situationen Schutz und Beruhigung zu vermitteln

· bei Desorientiertheit auf Sinn und Ziel und Zentrierung hinweisen

· in chaotischen Verfassungen das Gefühl der Ordnung und sinnvollen Strukturiertheit und Ganzheit hervorrufen, ein von Außen nach Innen gehen

· ein generelles Gefühl von Faszination und Neugierde entstehen lassen


Übung:

Kreiere ein Mandala deiner im Entstehen begriffenen neuen Welt, der du einen Namen gibst. Arbeite von Außen nach Innen. Finde ein Bild/Foto/Zeichnung von dir selbst für die Mitte. Lasse soviel Struktur – wie z. B. 4, 6, 8 Felder, Innenkreise, etc. zu, wie es für dich gut passt.